Elke Straube: Als das Maß voll war:  Zur Demo nach Leipzig

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Reflexionen über ein Leben in der DDR (Vorwort von Christian Anders)

Wir haben nicht gehungert und nicht gefroren. Wir hatten
2 Fernsehprogramme, den 1. Mai, den Internationalen Frauentag,
das Einkaufsnetz und ein 18-Jähriger schon ein „Auto“,
wenn gleich nach der Geburt bestellt.

Aber der Drang nach Freiheit war stärker...

 

Das Buch beschreibt die Empfindungen und Erlebnisse der Autorin, die, geboren 1954, in der DDR lebte und heute noch dort lebt. Sie betrachtet rückschauend ihre Kindheit und Schulzeit und reflektiert ihre Entwicklung von der ehrgeizigen Schülerin mit Lob für „gesellschaftliche Arbeit“ über erste Bedenken während EOS und Studium und schließlich – nach 15 Jahren als parteiloser Lehrer in der DDR – zu einem Menschen im Zwiespalt und mit einer tiefen inneren Ablehnung dieser Politik. „Als das Maß voll war“ blieb als einzige Alternative und befreiendes Erlebnis nur die Teilnahme an der Leipziger Montagsdemo am 16. Oktober 89 – und die Bombe ging hoch zur Pflichtveranstaltung Parteilehrjahr am ersten Schultag...

 

 Warum noch ein Buch zu diesem Thema?

100.000 Bücher gibt es schon zu diesem Thema. Warum also noch ein 100.001.? Weil mir der Hut hochgeht, wenn Journalisten oder Filmemacher, die nie in der DDR gelebt haben, unser Leben „nachinszenieren“. Wenn ich höre, wie naiv-dümmlich wir doch waren und dass jeder Lehrer in der DDR ja sowieso in der SED war. Wenn ich höre und sehe, wie in einer TV-Talkshow eine aufgemotzte Politlady wichtigtuerisch artikuliert, sie müsse erst darüber nachdenken, ob man die DDR tatsächlich als Diktatur bezeichnen könne. Ich bin nahe am Explodieren. ‚Als was denn sonst’, schreit alles in mir. Als Diktatur des Proletariats natürlich! Hat man mir doch unzählige Male eingebleut, in der Schule, auf der Uni, zur Dienstberatung und zum „Pädagogischen Rat“: ‚Die Diktatur des Proletariats als der einzige Weg zum Wohl der Menschheit, der Garant für den Frieden!’ Keine Staatsbürgerkundestunde oder M/L-Vorlesung ohne diesen Begriff. ‚Die Diktatur des Proletariats’, so kann ich heute noch herbeten, ist die politische Herrschaft der führenden Klasse der Werktätigen im Kampf gegen Militarismus und Imperialismus. Sie ist das Hauptinstrument beim Aufbau des Sozialismus.’ Das hat man mir in M/L (Marxismus/Leninismus) beigebracht. M/L war ein Hauptfach im Lehrerstudium der DDR und Bestandteil der HAUPTPRÜFUNG zum Staatsexamen als Diplomlehrer.

Und da fragt die  Dame, ob man die DDR eine Diktatur nennen könne...

 

Es ist nicht alles besser heute

Nein, es ist nicht alles besser heute. Wie auch? Aber ist es nicht illusorisch, von einer neuen Gesellschaft nur die guten Seiten haben zu wollen? Jedes Ding hat 2 Seiten, nur die 2. kannten viele von uns nicht (Tal der Ahnungslosen!). Und anschauen war nicht erlaubt. Lang ist die Liste der Ärgernisse, aber dürfen wir darum vergessen, was früher war? Vergessen und damit vergeben denjenigen, die uns eingesperrt und bewacht haben? Die zahlreichen Repressalien, wenn man nicht alles gut hieß und machte, die Toten an der innerdeutschen Grenze, die Menschenverachtung von SED und Stasi? Die Selbstherrlichkeit, mit der sie über uns herrschten? Und mit der sie bestimmten, wo und wie wir zu leben hatten? Wie sie sogar unsere Kinder systematisch für ihre politischen Ziele zu missbrauchen versuchten und Internierungslager für Kritiker und anders Denkende planten? Wie sie sogar mit Waffengewalt und Unmenschlichkeit gegen Kritiker vorgingen und in Gefängnissen der Staatssicherheit Menschen physisch und psychisch quälten? Dürfen wir deshalb tolerieren, dass diese CLIQUE bis 1981 in Leipzig Menschen hinrichtete? Heimlich und bei Nacht? Wer immer noch zweifelt, der sehe sich das Frontcover an oder stelle sich mitten hinein ins Grenzdenkmal Hötensleben, das ca. 350 Meter Grenzanlagen im Originalzustand präsentiert. Am besten zwischen Schussfeld und Hundetrasse. Und spätestens dann wissen Sie, liebe Leser, warum es in der DDR keinen Nagel, keinen Zement und keinen Meter Maschendraht gab...

Elke Straube

ISBN: 978-3-937699-14-1   Preis: 19.50 inkl. MwSt., Versand portofrei,  bestellen: elke.straube@web.de

 

 

 

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